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In dieser Interviewreihe sprechen wir mit Gründer:innen, CEOs und Führungskräften im E-Commerce über die Wahl der besten Plattform für den Onlinehandel. Im Rahmen dieser Reihe hatten wir das Vergnügen, Kaylee Astle zu interviewen.

Kaylee Astle

Kaylee Astle

Kaylee ist Start-up-Enthusiastin, Company-Builderin, ehemalige Managementberaterin und Tech-Unternehmerin. Sie begann ihre Karriere bei Deloitte Consulting, wo sie einige der am schnellsten wachsenden Start-ups sowie Regierungen und große öffentliche Organisationen beriet. Nach ihrer Zeit bei Deloitte gründete Kaylee MobSquad, ein disruptives Unternehmen für Tech-Talente, mit. Derzeit ist sie Gründerin & CEO von Blanka, wo sie Unternehmer:innen dabei unterstützt, ihre eigenen Beautyunternehmen über eine automatisierte Plattform zu gründen. Kaylee wurde bereits als Top 30 Under 30 und als eine der Top Female Founders to Watch in 2022 ausgezeichnet.

Können Sie uns ein wenig über Ihre Vergangenheit erzählen und wie Sie aufgewachsen sind?

Vielen Dank für die Einladung! Ein wenig zu meinem Hintergrund: Ich wurde in Saskatoon geboren, einer Stadt mitten in Kanada. Als ich in die Grundschule kam, sind meine Eltern mit unserer Familie nach Mexiko gezogen, wo ich von zu Hause unterrichtet wurde. Für das Studium bin ich nach Kanada zurückgekehrt und habe an der University of British Columbia Betriebswirtschaftslehre studiert. 

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Ich habe das BWL-Programm geliebt und jede Art von Praktikum ausprobiert: Marketing, Buchhaltung und Vertrieb. Nach der Uni bin ich schließlich bei Deloitte Consulting gelandet, und dort habe ich meine Begeisterung dafür entdeckt, wie Technologie ein Unternehmen transformieren kann.  

Was hat Sie auf diesen speziellen Karriereweg geführt?

Meine Eltern waren beide Unternehmer, sodass ich von klein auf unternehmerisch geprägt wurde. Nach ein paar Jahren bei Deloitte wollte ich unbedingt in den Start-up-Bereich wechseln. Ich bin zu einem kleinen PropTech-Unternehmen gegangen und habe dort alles gelernt, was ich über die Führung eines Start-ups wissen konnte. 

Später habe ich das Unternehmen MobSquad mitgegründet und war zudem Führungskraft bei einem schnell wachsenden E-Commerce-Marktplatz. Gleichzeitig habe ich versucht, meine eigene DTC-Beauty-Marke zu starten. Ich habe in meiner Karriere schon viel gemacht, aber eine eigene Marke aufzubauen war definitiv das Schwierigste! Ich musste Lieferanten suchen, in Lagerbestände investieren und mich um die Auftragsabwicklung kümmern. Meine DTC-Marke war nicht sehr erfolgreich. 

Dennoch hat mir das die Augen für eine große Marktlücke geöffnet – und so entstand Blanka. Blanka ist eine Plattform, die es jedem ermöglicht, in weniger als fünf Minuten und ganz ohne Mindestbestellmenge eine eigene Beauty-Linie zu kreieren.

Können Sie die spannendste Geschichte mit uns teilen, die Ihnen seit Ihrem Start bei Ihrem Unternehmen passiert ist?

Es gibt so viele! Jeder Unternehmer würde zustimmen: Eine Firma aufzubauen ist eine emotionale Achterbahnfahrt. An einem Tag läuft alles super – und im nächsten Moment muss man plötzlich einen riesigen Brand löschen. 

Einer meiner denkwürdigsten Momente war, als wir unseren allerersten Kunden gewonnen haben. Damals haben wir die Blanka-App gerade erst entwickelt und hatten nur eine Marketing-Website. Jemand hat uns gefunden und gefragt, ob man schon ein Konto anlegen könne (obwohl das eigentliche System noch gar nicht funktionierte!). Da wusste ich, dass wir auf dem richtigen Weg sind. 

An welchen spannenden oder interessanten Projekten arbeiten Sie derzeit? Wie könnten diese Menschen helfen? 

Wir freuen uns riesig, dieses Jahr neue Produktlinien herauszubringen. Aktuell umfasst Blankas Katalog Hunderte von Kosmetik-, Hautpflege- und Make-up-Accessoires – alles in Nordamerika hergestellt. 

Je mehr Blanka gewachsen ist und je mehr Kund:innen wir gewonnen haben, desto mehr Anfragen zu anderen Produktarten haben wir erhalten. Im nächsten Jahr freuen wir uns, eine Männerlinie, eine Haarpflege-Linie und eine Nagelpflege-Linie einzuführen. Durch die Erweiterung unseres Produktangebots ermöglichen wir immer mehr Unternehmer:innen, ihre eigene Beauty-Marke zu starten!

Welche drei Eigenschaften von Ihnen haben Ihrer Meinung nach Ihren Erfolg besonders begünstigt?

Ich denke, die erste Eigenschaft ist, dass ich sehr empathisch bin. Ich versuche mich wirklich in die Lage anderer zu versetzen. Leider bin ich in meiner Karriere auch auf zahlreiche Führungskräfte gestoßen, denen Empathie gefehlt hat – das hat überall zu toxischen Arbeitsumgebungen geführt. 

Mein Fokus bei Blanka ist es, eine Unternehmenskultur zu schaffen, in der wir uns auf menschlicher Ebene umeinander kümmern. Es ist verrückt, wie selten das heutzutage ist. Außerdem würde ich sagen, dass ich sehr kritisch denken kann. Durch den Berufseinstieg in der Beratung habe ich eine intensive Ausbildung durchlaufen, bei der uns beigebracht wurde, Probleme zu analysieren und zu zerlegen. Diese Ausbildung hat es mir ermöglicht, sowohl das große Ganze zu sehen als auch in die Details einzutauchen. 

Schließlich würde ich sagen, dass mich meine Leidenschaft besonders erfolgreich gemacht hat. Wenn ich ein Teil eines Teams oder eines Unternehmens bin, gebe ich immer 100 Prozent. Diese Leidenschaft – zusammen mit Beharrlichkeit – hat uns geholfen, Blanka in sehr kurzer Zeit wachsen zu lassen.

Was war die ursprüngliche Vision für dein E-Commerce-Geschäft? Welches Problem bzw. welche Probleme wolltest du für deine Kund:innen lösen?

Nun, als ich versuchte, meine eigene DTC-Beauty-Marke auf den Markt zu bringen, stieß ich auf so viele Hindernisse. 

Ich begann, nach Lieferanten zu suchen, aber es war so überwältigend, weil es weltweit mehr als 13.000 Hersteller von Beauty-Produkten gibt. Als ich dann den richtigen Lieferanten gefunden hatte, musste ich sicherstellen, dass deren Produkte den FDA-Vorschriften entsprechen. Danach musste ich eine große Investition in Ware tätigen, um die vom Hersteller vorgegebenen Mindestmengen zu erfüllen. Anschließend musste ich einen Platz finden, um das gesamte Inventar zu lagern, und zu dieser Zeit lebte ich in einer kleinen Wohnung in Vancouver.

Schließlich, als meine Marke endlich startbereit war, musste ich mich bei jedem Kauf um die Auftragsabwicklung kümmern. Jeder einzelne Schritt war eine Herausforderung, und so wurde mir klar, dass es einen einfacheren Weg geben muss, diese aufstrebenden unabhängigen Marken zu unterstützen. 

Foto von Kaylee Astle

Welche E-Commerce-Plattform nutzt dein Unternehmen und nach welchen Schlüsselfunktionen hast du bei der Auswahl gesucht? War es deine erste Wahl oder hast du von einer anderen Plattform gewechselt?

Blanka ist eine App, die man in einen Onlineshop integrieren kann. Als wir Blanka zunächst starteten, war die erste App, die wir bauten, für Shopify. Kurz darauf haben wir WooCommerce (WordPress) entwickelt, und vor Kurzem haben wir Wix gelauncht. 

In den nächsten ein bis zwei Jahren möchten wir auch Apps für BigCommerce und Squarespace auf den Markt bringen. 

Für Gründer:innen, die gerade versuchen, zwischen verschiedenen E-Commerce-Plattformen zu wählen, würde ich Folgendes berücksichtigen:

  • Shopify ist perfekt für aufstrebende Unternehmer:innen und bietet eine riesige Auswahl an Apps, um den Store individuell zu gestalten. Der Nachteil ist, dass es überwältigend sein kann, herauszufinden, welche Apps du wirklich benötigst.
  • Wix ist ideal für Händler:innen, die nicht viel für die Startkosten ihres Onlineshops ausgeben wollen, denn Wix ist sehr günstig in der Nutzung.
  • WooCommerce/WordPress ist ideal für Händler:innen mit technischen Vorkenntnissen, da für die Nutzung gewisse Entwicklungskenntnisse erforderlich sind.
  • BigCommerce wird meist von Händler:innen genutzt, die hohe Stückzahlen vertreiben, daher wechseln Händler:innen meist zu BigCommerce, wenn sie auf Shopify oder Wix bereits erfolgreich sind.
  • Squarespace eignet sich hervorragend für Unternehmer:innen mit ausgeprägtem Sinn für Design-Ästhetik. Squarespace-Websites sehen immer wunderschön aus.

Wann sollte ein E-Commerce-Unternehmen einen Plattformwechsel in Betracht ziehen? Welche Faktoren sollten die Entscheidung für einen Wechsel oder ein Upgrade bestimmen?

Meiner Erfahrung nach wechseln Unternehmen aus zwei Hauptgründen die E-Commerce-Plattform:

  • Skalierbarkeit
  • Kosten

Meistens startet ein neues Unternehmen mit Shopify oder Wix, weil diese super einfach einzurichten sind

Wenn das Unternehmen wächst und skaliert, sehe ich oft, dass auf WooCommerce oder BigCommerce umgestiegen wird, weil diese Plattformen zusätzliche Anpassungsmöglichkeiten bieten. Natürlich spielt auch der Preis eine große Rolle bei dieser Entscheidung. 

Beispielsweise ist WordPress kostenlos, da es Open Source ist. Allerdings ist der Entwicklungsaufwand auf einer WordPress-Seite viel höher als auf Wix oder Shopify. 

Das Gute ist, dass die meisten Plattformen eine kostenlose Testphase anbieten – so kann man sie ausprobieren, bevor man sich entscheidet! 

Angesichts der Vielzahl an E-Commerce-Plattformen: Was sind deine fünf wichtigsten Fragen, die du stellen musst, um die beste Plattform für deinen Onlineshop zu wählen?

1. Wie hoch ist mein Budget? 

Dabei solltest du die monatlichen Plattformkosten, die Transaktionsgebühren, App-Kosten und die Stundenlöhne für einen Entwickler berücksichtigen, der die Website individuell anpasst. Du solltest auch entscheiden, ob du eine Agentur beauftragst, die dich bei Design, Programmierung und dem Start deines Shops unterstützt. 

2. Wie schnell möchte ich startklar sein? 

Das ist eine sehr wichtige Überlegung. Diese Entscheidung beeinflusst auch, ob du eine Agentur beauftragst oder nicht.

3. Welches Design bzw. Look & Feel strebe ich an? 

Erstelle dir ein Pinterest-Moodboard mit allen Webseiten, die dir gefallen und die du als Vorbild nehmen möchtest. Das kann dir auch helfen, dich für eine E-Commerce-Plattform zu entscheiden, da das Design und das Gefühl eines Themes oft von der jeweiligen Plattform abhängen.

4. Was muss meine Website können? 

Verkaufen Sie nur Produkte, oder haben Sie eine spezifische Funktionalität, die Sie nutzen? Zum Beispiel habe ich früher ein Beratungsprojekt für ein Lebensmittel- und Essenslieferunternehmen betreut, sodass wir eine sehr individuelle Lösung entwickeln mussten, um die Mahlzeitauswahl zu ermöglichen. 

5. Was ist meine Marketing- und Vertriebsstrategie? 

Wenn Sie beispielsweise ein Ladengeschäft haben, möchten Sie vielleicht eine Plattform nutzen, die eine Point-of-Sale (POS)-Funktionalität bietet (Shopify!), oder Sie möchten eine bestimmte E-Mail-Marketing-Plattform nutzen, die sich direkt in Ihren Onlineshop integrieren lässt.

Gibt es eine bestimmte Funktion oder Möglichkeit, die Sie auf keiner Plattform gefunden haben, die Sie aber gerne hätten? Was ist das und warum? 

Ich finde es toll, wie E-Commerce-Plattformen wie Shopify und Wix es unglaublich einfach machen, eine Website zu gestalten und zu starten, aber manchmal kann die Erfahrung für neue Unternehmer auch überwältigend sein. 

Welches Theme soll ich wählen? Welche Apps benötige ich? Welchen Text sollte ich auf meiner Website veröffentlichen? 

Ich würde mir gerne einen KI-gestützten Website-Builder wünschen, bei dem man die gewünschte Website genau beschreiben kann (z. B. Ich möchte eine tropisch gestaltete Website, die pulverförmiges SPF verkauft), und diese innerhalb von Sekunden gebaut wird! 

Wenn Sie eine Bewegung ins Leben rufen könnten, die möglichst vielen Menschen zugutekommt – worum würde es dabei gehen?

Als Frau in einer stark männlich dominierten Branche liegt mir besonders am Herzen, mehr Frauen im Bereich Technologie zu unterstützen. Leider habe ich selbst schon geschlechtsspezifische Kommentare erleben müssen. 

Diese Erfahrungen haben mich jedoch dazu motiviert, mich als Fürsprecherin für Frauen in der Technologie einzusetzen. Ich habe bei zahllosen Gemeinschaftsorganisationen eine führende Rolle gespielt, darunter die YWCA, Young Women in Business und das Telus World of Science Millennial Advisory Committee. 

Ich habe meine Karriere in der Technologie vor über 10 Jahren begonnen und es ist großartig zu sehen, wie viele Frauen seitdem in diesem Bereich tätig sind. Doch es reicht immer noch nicht!

Wie können unsere Leser Ihrer Arbeit online weiter folgen?

Am besten bleibt man über LinkedIn und Twitter mit mir in Kontakt. Um bei spannenden Neuigkeiten von Blanka auf dem Laufenden zu bleiben, gibt es unseren Beauty-Blog, ein stetig wachsendes Instagram-Konto und natürlich ein sehr unterhaltsames TikTok-Konto.


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Sean Flannigan

Sean ist leitender Redakteur bei The Retail Exec. Er ist seit Jahren mit der Einzelhandelsbranche vertraut, vom Lagermanagement und internationalen Versand bis hin zu Webentwicklung und E-Commerce-Marketing. Als leidenschaftlicher (und tatsächlicher) Autor bringt er eine große Begeisterung für gutes Schreiben und Storytelling in große und kleine Einzelhandelsthemen ein.