Vom Benz Patent-Motorwagen über das Ford Model T bis zum Tesla Model S – Autos haben sich in den letzten 100+ Jahren erheblich weiterentwickelt.
Während die Fahrzeuge selbst auf Elektrizität umstellen, gehört zu den wichtigsten Entwicklungen im Automobilhandel aktuell der Wandel hin zu E-Commerce-Plattformen als bedeutendem Vertriebskanal.
Immer größere Teile der Customer Journey finden online statt – und das lässt sich nicht nur mit der COVID-19-Pandemie erklären. Der Wandel in diese Richtung begann schon vorher, zumal die Millennials zunehmend zu einer der wichtigsten Käufergruppen aufsteigen.
Hier sind drei E-Commerce-Trends im Automobilbereich, die Sie in den kommenden Monaten und Jahren im Auge behalten sollten.
1. Immer mehr Verbraucher kaufen online
Dies ist der stärkste Trend in der Automobilindustrie: Immer mehr Verbraucher erkennen, dass sie nicht mehr zum lokalen Autohaus gehen müssen, um einen Wagen zu kaufen.
Wenn man fünf bis zehn Jahre zurückblickt, stand der Online-Autokauf noch ganz am Anfang. Die meisten Kunden nutzten das Internet damals lediglich, um Angebote anzufordern, Modelle zu vergleichen oder Probefahrten zu buchen.
All dies ist heutzutage zwar nach wie vor möglich, doch das eigentliche Online-Abschließen eines Kaufs ist das, worauf es heute ankommt. Unternehmen wie Carvana, Carmax, CarGurus und eBay Motors gehen hier voran. Diese Statistiken von IBISWorld sprechen für sich:
- Die Marktgröße der US-amerikanischen Online-Autohändler wird im Jahr 2021 auf 36,2 Milliarden Dollar geschätzt.
- Das Marktwachstum wird für 2020 auf 5,4 Prozent geschätzt.
- Von 2016 bis 2021 verzeichneten US-amerikanische Online-Autohändler ein jährliches Wachstum der Marktgröße von 4,3 Prozent.
Carvana, einer der führenden Online-Händler für Gebrauchtwagen, verkaufte 2020 rund 244.000 Fahrzeuge online. Das bedeutet eine Steigerung von 37 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Auch in anderen Märkten wechseln Autokäufer zunehmend ins Internet, nicht nur in den USA. Laut Statista sind Konsumenten in Großbritannien, Indien und China offener denn je für den Online-Kauf von Fahrzeugen.

Da Online-Autohändler ihre Prozesse nach der Pandemie weiter optimieren, ist davon auszugehen, dass diese Zahlen in den 2020ern noch weiter steigen werden.
2. Der Online-Autokauf ist so schnell wie nie zuvor
Die Zeiten, in denen man stundenlang beim Autohändler verbrachte, um einen Deal auszuhandeln, sind vorbei. Heute möchten Käufer eher ein Amazon-ähnliches Kauferlebnis, das auf Geschwindigkeit und Effizienz setzt.
Laut Kelley Blue Book „haben Verbraucher 2020 rund 7 Stunden und 14 Minuten online für den Autokauf aufgewendet.“
Das klingt nach viel, doch es gibt zwei Dinge zu beachten:
- Das ist ein Rückgang von 9 Stunden und 29 Minuten im Jahr 2019
- Im Vergleich zum Besuch beim Händler ist das nicht unbedingt durchgehend investierte Zeit
Als weiteren Beleg für die wachsende Bedeutung der schnellen Abwicklung schauen Sie sich dieses Zitat aus demselben Kelley Blue Book-Artikel an:
Viele Nutzer digitaler Angebote verkürzten die tatsächliche Zeit, die sie beim Autohändler verbringen, auf nur noch 2 Stunden. Das ist ein großer Wandel, da der Autokauf früher fast ausschließlich beim Händler stattfand. Die Umfrage zeigt: Die Zeit im Autohaus ist auf einen historischen Tiefstand gesunken, während die Zufriedenheit mit dem Prozess einen Höchstwert erreicht hat.
Selbst Kunden, die heute noch ins Autohaus gehen, tun dies also mit Fokus auf Schnelligkeit.
3. Online-Käufer haben die Kontrolle
Traditionell bedeutete der Autokauf in Nordamerika, dass man ein Autohaus (oder mehrere) aufsucht, ein Fahrzeug auswählt und die Preisverhandlungen von Angesicht zu Angesicht führt.
Manche Kunden werden diesen Weg weiterhin gehen, doch wie die obigen Zahlen zeigen, gewinnt der Online-Kauf von Fahrzeugen immer mehr an Bedeutung.
Der Hauptgrund dafür ist die Kontrolle über den Kaufprozess. Was bedeutet das konkret?
- Sie bestimmen Ihr eigenes Tempo – ohne einen aufdringlichen Verkäufer, der Ihnen im Nacken sitzt.
- Sie können den Prozess jederzeit und ohne Erklärung unterbrechen.
- Sie können Ihre eigenen Tools wie beispielsweise einen Zahlungsrechner nutzen – und sind nicht nur auf die Händler-Angebote angewiesen.
- Sie können zahlreiche Marken, Modelle und Baujahre bequem von zu Hause oder vom Büro aus vergleichen.
- Sie haben Zugriff auf eine größere Auswahl.
Online-Shopping etwa über Carvana ermöglicht es zum Beispiel, mit Filtern durch Zehntausende zum Verkauf stehende Fahrzeuge zu stöbern.
Dieser Screenshot zeigt, wie viel Kontrolle Sie beim Online-Shopping haben:

Sie können in einer Minute nach einem SUV und in der nächsten nach einer Limousine suchen – und das ist erst der Anfang. Außerdem gibt es Filter für Baujahr, Marke, Modell, Preis und Ausstattung.
Genau diese Kontrolle wünschen Sie sich, wenn Sie ein Auto kaufen oder danach suchen.
E-Commerce-Trends im automobilen Aftermarket
E-Commerce-Trends im Automobilbereich dehnen sich auch auf andere Bereiche aus, zum Beispiel auf Autoteile. So haben DIY-Autoprojekte im Jahr 2020 einen großen Aufschwung erlebt.
Nach Angaben der NPD Group standen „do-it-yourself (DIY) und optionale Kategorien rund um Heimfahrzeugprojekte an der Spitze der Leistungstabelle und waren die Haupttreiber für das Umsatzwachstum von 4 % im Automobil-Aftermarket in den ersten sechs Monaten 2020.“
Der Bericht hob auch die Ausgabenkategorien hervor, die im Jahr 2020 das größte Wachstum verzeichneten:
- Lackierung: 33 Prozent
- Karosseriereparatur: 27 Prozent
- Werkstattausrüstung für leichte Arbeiten: 24 Prozent
- Erscheinungszubehör: 19 Prozent
- Chemikalien: 16 Prozent
Im Gegensatz dazu ist als Folge der Pandemie durch die Reduzierung der gefahrenen Kilometer der Absatz einiger Autoteile wie Motoröl, Scheibenwischer und Scheibenwaschflüssigkeit im letzten Jahr zurückgegangen.
Bezüglich Autoteile sind dies weitere Trends, die Sie 2021 im Auge behalten sollten:
- Amazon, Alibaba und andere führende Onlineshops werden weiter Marktanteile gewinnen.
- OEMs (Originalteile vom Hersteller) bleiben weiterhin sehr gefragt (dies steht im Zusammenhang mit dem Anstieg von DIY-Projekten).
- Die Preise bleiben wettbewerbsfähig, da Online-Händler ihre Strategie anpassen und neue Geschäftsmodelle umgesetzt werden.
- Das Kundenerlebnis, zusammen mit wettbewerbsfähigen Preisen, bestimmt, welche Online-Händler die Vorreiterrolle übernehmen.
Abschließende Gedanken zu E-Commerce-Trends im Automobilmarkt
Das Internet hat das Wachstum der Automobilindustrie beschleunigt, da Verbraucher es nutzen, um Autos und Ersatzteile zu kaufen, Marktforschung zu betreiben und Händler sowie Autohäuser zu vergleichen.
Die oben genannten E-Commerce-Trends im Automobilbereich bieten einen klaren Überblick darüber, wo der Markt heute steht und was für den Rest des Jahres 2021 und darüber hinaus zu erwarten ist.
Automobilhersteller und die Automobil-Aftermarket-Branche setzen auf Digitalisierung, um den Veränderungen im Verbraucherverhalten gerecht zu werden. Der schwedische Autobauer Volvo zum Beispiel investiert stark in seine Online-Vertriebskanäle und wird seine Elektrofahrzeuge ausschließlich online verkaufen.
Das ist eine Veränderung auf vielen Ebenen. Es ist auch eine Veränderung, die allen Beteiligten große Vorteile bringen kann.
