Man sagt, im Leben sind nur wenige Dinge sicher: der Tod und die Steuern. Wenn Sie eine Unternehmenswebsite betreiben, können Sie dieser Liste noch etwas hinzufügen: Sicherheitsbedrohungen im E-Commerce.
Das Wachstum des E-Commerce geht mit einem gewaltigen Anstieg der Cyberkriminalität einher – von einem relativ moderaten Anstieg der Ransomware-Angriffe um 20 % bis hin zu einem erschreckenden Anstieg der Phishing-E-Mail-Betrugsfälle um 660 %.
Da in jährlichen Umfragen mindestens 50 % aller Unternehmen von einem Online-Angriff berichten, ist die Frage nicht, ob, sondern wann Ihre E-Commerce-Plattform attackiert wird.
Und Wissen ist die halbe Miete.
In diesem Artikel stelle ich Ihnen acht der wichtigsten Sicherheitsbedrohungen für Ihr E-Commerce-Unternehmen vor und zeige Lösungen zum Schutz auf.
Sicherheitsbedrohungen und wie Sie Ihre Website schützen
Lesen Sie weiter, um die acht häufigsten Sicherheitsbedrohungen und die besten Schutzmaßnahmen für Ihre E-Commerce-Website kennenzulernen.
1. Zahlungsbetrug
Diese Art von Sicherheitsbedrohung im E-Commerce ist so alt wie das Geschäft selbst. Hacker und Kriminelle nutzen gestohlene Kreditkarten oder gestohlene Kreditkartendaten, um unautorisierte Transaktionen durchzuführen. Kreditkartenbetrug ist in der Regel schwer nachzuverfolgen und kann bei E-Commerce-Unternehmen zu erheblichen Verlusten führen.
Gefälschte Rückerstattungen sind ein weiteres beliebtes Mittel, das Cyberkriminelle nutzen und das zu Verlusten in Milliardenhöhe für den Online-Handel führt. Anstatt die Originalartikel zurückzusenden, schicken die Betrüger beschädigte, entsorgte oder gestohlene Waren an die Händler zurück.
Sie können E-Commerce-Betrugsschutz-Software einsetzen, um betrügerische Online-Transaktionen oder Rückbuchungsbetrug zu erkennen und zu verhindern.
Lösung: PCI DSS-Compliance
Halten Sie die PCI DSS-Compliance auf Ihren Zahlungsseiten ein. Allen Online-Händlern wird empfohlen, diese Sicherheitsstandards einzuhalten, die vom PCI Security Standards Council festgelegt werden – einem unabhängigen Gremium, das von großen Kreditkartenunternehmen wie VISA, MasterCard und American Express geschaffen wurde.

2. Phishing
Phishing ist eine Form der Online-Verschleierung und stellt eine zunehmende Bedrohung in der Cybersicherheitsbranche dar. Kriminelle versuchen dabei, über gefälschte E-Mails Login-Daten, Kreditkarteninformationen und andere sensible Informationen von ahnungslosen Opfern zu erschleichen.
Die E-Mails tarnen sich als Kommunikation von legitimen Quellen wie Banken, Behörden, Geschäftspartnern oder anderen Händlern. Sie enthalten meist gefälschte Links zu Anmeldeseiten echter Webseiten – sobald Sie dort Ihre Zugangsdaten eingeben, erhalten die Cyberkriminellen unberechtigten Zugang zu Ihren Konten.
Lösung: Schulung und Wachsamkeit
Schaffen Sie bei Ihren Mitarbeitenden und Kunden ein Bewusstsein für die Bedeutung von Vorsicht und ständiger Aufmerksamkeit. Da Phishing-Angriffe Einzelpersonen und nicht Computersysteme und Software ins Visier nehmen, ist dies die einzige mögliche Lösung.
Sie können Ihr Unternehmen auch auf Schwachstellen testen, indem Sie Trainings durchführen – versenden Sie Test-Phishing-E-Mails an Ihre Belegschaft. Falls jemand darauf hereinfällt, helfen und unterstützen Sie die Person, damit sie künftig besser auf echte Angriffe vorbereitet ist.
Ein sicheres E-Mail-Gateway kann mit Hilfe von Filtern 99 % aller Spam- und Phishing-E-Mails blockieren. In Kombination mit Richtlinien wie Zwei-Faktor-Authentifizierung, regelmäßigen Sicherheitsaudits und häufigen Software-Updates können Sie das Risiko durch Phishing deutlich senken.
Große Unternehmen wie Google und Microsoft führen regelmäßig Schulungen und Sensibilisierungskampagnen gegen Phishing durch.

Betrugserkennung ist nicht optional – besonders wenn diese Zertifizierungen zur Betrugserkennung nur einen Klick entfernt sind.
3. Social Engineering
Social Engineering nutzt dieselben Täuschungstaktiken wie Phishing – der Hauptunterschied besteht darin, dass Social Engineering viele andere Formen als E-Mails annehmen kann. Der Kriminelle könnte beispielsweise Telefonanrufe, Social-Media-Nachrichten und -Profile oder andere Wege nutzen, um Sie oder Ihre Mitarbeitenden zu kontaktieren.
Sie manipulieren diese Personen dann dazu, sensible persönliche Daten versehentlich preiszugeben. Während Phishing darauf abzielt, möglichst viele Menschen zu erreichen und ein paar Opfer zu machen, ist Social Engineering gezielter und ausgeklügelter – Zielpersonen sind häufig etwa leitende Administratoren in E-Commerce-Unternehmen.
Lösung: Schulung und Wachsamkeit
Die Lösung ist hier dieselbe wie beim Phishing – erinnern Sie Ihr Team regelmäßig an potenzielle Gefahren, die aus sozialen Medien entstehen können, und schulen Sie es, verdächtige Nachrichten oder Anrufe zu erkennen. Gelegentliche Tests und regelmäßige Sicherheitsüberprüfungen helfen, die Aufmerksamkeit hochzuhalten.
4. Spam
Wahrscheinlich verbinden Sie diesen Begriff spontan mit Ihrem E-Mail-Postfach, tatsächlich stellt Spam aber auch eine Bedrohung für jede E-Commerce-Website dar, auf der Besucher Kommentare oder Feedback hinterlassen können. Spammer können diese Systeme missbrauchen, um gefährliche Links zu platzieren oder Ihre Seiten einfach mit Werbung zu überfluten.
Lösung: Spam-Filterung
Verwenden Sie Anti-Virus- und Spam-Filter-Tools auf Ihrer Online-Shopping-Seite. Schulen Sie Ihre Mitarbeitenden in Anti-Spam-Techniken und -Strategien.
5. SQL-Injections & XSS
Eine besonders gefährliche Bedrohung ist hier Cross-Site Scripting (XSS): Der Angreifer injiziert schädlichen Code auf Ihre Online-Geschäftsseiten, meist indem Schwachstellen in JavaScript ausgenutzt werden.
Dieser Code attackiert dann andere Kund:innen, die Ihren Online-Shop besuchen. Auch als Injection-Angriff bezeichnet, kann XSS Ihr Suchmaschinen-Ranking und Ihren Ruf massiv schädigen.
SQL-Injections ähneln XSS in der Vorgehensweise gegen Ihre Seiten. Anders als XSS zielt SQL jedoch auf Ihre Systemdatenbank ab, um sensible Daten zu stehlen, statt Besucher:innen Ihrer E-Commerce-Seite anzugreifen.
Lösung: SQL-Filter und XSS-Scans
Nutzen Sie Web Application Firewalls, SQL-Filter und führen Sie regelmäßig Scans auf XSS-Schwachstellen durch, um Sicherheitslücken dieser Art vorzubeugen. Alle mit dem Aufbau oder der Wartung Ihrer Seite befassten Mitarbeitenden sollten im Erkennen und Vermeiden gängiger Schwachstellen in HTML, JavaScript sowie anderen Plugins oder Widgets auf der Website geschult sein.

6. DDoS-Angriffe
Distributed Denial-of-Service-Angriffe (DDoS) setzen Ihre Websites und Onlineshop-Server massiv unter Druck. Mit Hilfe zahlreicher gehackter Computer, IoT-Geräte oder schädlicher Bots führen Cyberkriminelle koordinierte Attacken aus, die Ihre E-Commerce-Seite überlasten und den normalen Betrieb verhindern.
Neben dem Blockieren von Verkäufen verursachen diese Angriffe auch anderweitige Kosten, da Ihr Seiten-Traffic maßgeblich erhöht wird. Die gute Nachricht: DDoS-Angriffe kommen seltener vor als andere Bedrohungen, insbesondere bei kleineren Unternehmen.
Lösung: DDoS-Schutzdienst
Wenn Sie Ihr Angebot als gefährdet einstufen, setzen Sie einen DDoS-Schutzdienst ein. Dieser überwacht den gesamten eingehenden Datenverkehr und blockiert ungewöhnliche oder betrügerische Zugriffe bereits im Vorfeld.

7. Schwache Passwörter
Aus Gründen der Bequemlichkeit neigen viele Mitarbeitende im E-Commerce dazu, Passwörter zu verwenden, die einfach und leicht zu merken sind. Leider ist das auch eine gute Nachricht für findige Cyberkriminelle, die Multi-Account-Betrug und andere Betrugsmaschen einsetzen – ihnen stehen viele Optionen zur Verfügung.
Einige einfachere Passwörter lassen sich durch simples Raten und etwas Hintergrundrecherche zur Person, die das Passwort gesetzt hat, knacken.
Verwenden Sie also bitte nicht Ihr Geburtsdatum oder den Namen Ihres Haustiers als Passwort.
Andere, stärkere Passwörter können dennoch mit roher Gewalt geknackt werden – speziell entwickelte Programme testen blitzschnell tausende potenzielle Passwörter aus, bis das richtige gefunden wird (diese Technik nennt man Brute-Forcing).
Lösung: Stärkere Passwörter verwenden!
Erzwingen Sie in Ihrem Unternehmen eine strenge Richtlinie zur Passwortstärke. Setzen Sie intern bei Ihren Admin-Konten und Kundenprofilen für wichtige Änderungen auf Multi-Faktor-Authentifizierung.

8. Malware und Ransomware
Diese Bedrohungen bedürfen vermutlich keiner langen Erklärung. Jeder, der in den letzten zwanzig Jahren einen Computer genutzt hat, ist sich der Sicherheitsrisiken durch Viren, Trojaner und in jüngerer Zeit auch Ransomware bewusst.
Sie treten als E-Mail-Anhänge auf, versteckt in heruntergeladenen .exe-Dateien oder Apps oder gelangen über Widgets oder Plugins auf WordPress-Websites. Malware ist äußerst vielfältig und wandelbar – sie kann von Datendiebstahl über Datenmanipulation bis hin zu Echtzeitüberwachung alles ermöglichen.
Lösung: Anti-Malware-Software & Best Practices
Die Installation und Nutzung spezieller Antiviren-Programme sowie weiterer Tools zur Erkennung von Malware ist ein guter Anfang. Für optimalen Schutz sollten Sie dies jedoch mit weiteren Sicherheitsmaßnahmen kombinieren, zum Beispiel SSL-Zertifikate auf allen Seiten, die Nutzung von HTTPS, sichere Server, Firewalls und regelmäßige Backups.

Schützen Sie Ihren E-Commerce-Shop
Wie Sie sehen, gibt es keine Wunderwaffe oder magische Lösung, die alle Ihre E-Commerce-Sicherheitsprobleme auf einen Schlag behebt. Effektiver Schutz vor Cyberbedrohungen erfordert geeignete Sicherheitslösungen, Bewusstsein, Schulungen und ständige Wachsamkeit.
Da sich Cyberbedrohungen und Risiken für die Sicherheit von Webseiten ständig weiterentwickeln, sollten Sie sich regelmäßig informieren. Abonnieren Sie den The Retail Exec Newsletter, um über aktuelle E-Commerce-News und Cybersecurity-Trends auf dem Laufenden zu bleiben.
Waren Sie oder Ihr Unternehmen schon einmal Opfer einer dieser Cyberattacken? Falls ja, wie hat sich dies auf Ihr Geschäft ausgewirkt und welche Maßnahmen haben Sie ergriffen, um den Schaden zu begrenzen und weiterzumachen? Teilen Sie gerne Ihre wertvollen Erfahrungen in den Kommentaren unten!
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